Bienen sorgen für die Bestäubung von Pflanzen und sind damit unerlässlich sowohl für eine produktive Landwirtschaft als auch für eine vielfältige Natur. Doch da gibt es Konfliktpotenzial: Imker und Bauern haben das Heu nicht immer auf derselben Bühne. Deshalb wird im Aargau mit dem für eine bienenfreundliche Landwirtschaft das Ziel verfolgt, das gegenseitige Verständnis von Bienenzüchtern und Landwirten zu fördern.

 

Geld für Bauern und Imker

«Mit dem Projekt werden zwischen 2017 und 2022 wesentliche Bedingungen für eine bienenfreundliche Landwirtschaft gefördert und dafür 5,3 Millionen Franken eingesetzt», war von Hansruedi Roth zu erfahren, dem Präsidenten des Bienenzüchtervereins Bremgarten. Davon trägt der Bund knapp 80 Prozent. Der Kanton hat einen Beitrag aus dem Swisslosfonds gesprochen, um für die restlichen 20 Prozent aufzukommen. Nebst den Bauern erhalten auch die Imker Beiträge. Dann nämlich, wenn sie nach den Richtlinien des Qualitätssiegels von Apisuisse – dem Dachverband der schweizerischen Bienenzüchtervereine – produzieren.

 

Das Projekt ist dieses Jahr erfolgreich gestartet. Viele Bauern und Imker landauf und landab haben sich bereit erklärt, für eine bienenfreundliche Landwirtschaft einzustehen, indem sie wesentlich zur Verbesserung lebenswichtiger Bedingungen für die Honig- und Wildbienen beitragen wollen.

Konkret: 10 Prozent der Aargauer Landwirtschaftsbetriebe haben sich nach Angaben der beiden Trägervereine im ersten Jahr angemeldet und wurden bereits bezüglich Einfluss von Pflanzenschutzmitteleinsatz und Mähtechnik auf Bienen sensibilisiert. Mit 250 Anmeldungen wurde das Ziel für das erste Jahr bereits übertroffen. Im Februar 2018 und 2019 bestehen zwei weitere Zeitfenster zur Anmeldung. Auch wenn damit für die Landwirtschaft komplexe Anforderungen gestellt werden, zeigen sich die Bauern interessiert. Denn viele sind sich bewusst, wie wichtig die Bienen bezüglich Ertrag und Qualität der produzierten Nahrungsmittel für die Landwirtschaft sind.

 

 

Nicht jeder Bauer ist Imker

«Weil immer weniger Landwirte auch gleichzeitig Imker sind, ist der Austausch und Kontakt zwischen den Bienenzüchtern und den Bauern sehr wichtig», so der Präsident. Und der Vizepräsident des Bauernverbandes Aargau, Landwirt und Grossrat Christoph Hagenbuch aus Oberlunkhofen, gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Bauern und Imker auch nach Abschluss des Projekts miteinander in Kontakt bleiben zum Wohl einer bienenfreundlichen Landwirtschaft.

Vereinspräsident Roth konnte mit Genugtuung feststellen, dass über 80 Imker und Betriebsleiter aus der Region den Weg nach Bremgarten gefunden hatten, auch solche, die am Projekt noch nicht teilnehmen. Im Restaurant Jojo referierte Ruedi Ritter, Leiter der Fachstelle Bienen des Kantons Bern, zum Thema «Schnitttechnik und Bienenverluste» auf Einladung des Bienenzüchtervereins Bremgarten und des Bauernverbandes Aargau.

In seinem Fachvortrag gelang es dem Referenten, der seit 1968 selber Bienenzüchter ist, die Thematik des Mähens von Wiesen aus der Sicht der Landwirte und der Imker treffend und mit viel eindrücklichem Zahlenmaterial darzustellen. So hätten Untersuchungen gezeigt, dass sogenannte Mähaufbereiter und Mulchmäher eine sehr grosse Gefahr für Bienen darstellen und der Einsatz dieser moderneren Gerätschaften zu einem Verlust von 50 bis 70 Prozent der Bienen führt, die gerade auf der betreffenden Wiese am Blütenstaubsammeln seien. Kreiselmäher mit Tellern und Trommeln hingegen würden für die Bienen eine weit geringere Gefahr darstellen. Und mit lediglich bis zu 5 Prozent Bienenverlust sei beim Gebrauch eines Messerbalkens beim Mähen zu rechnen.

 

Bienenschonend mähen

«Was kann der Bauer also tun, damit er sich mit dem Imker nicht in die Haare gerät, weil ganze Bienenvölker auf der Blumenwiese ihr Leben im Mähwerk lassen müssen? Die Antwort lautet, bienenschonend mähen. Das heisst, entweder das entsprechende Gerät verwenden oder in den frühen Morgen- und Abendstunden mähen, wenn die Bienen nicht mehr so zahlreich auf dem Feld unterwegs sind», so der Ratschlag des Bienenexperten Ruedi Ritter.

 

 

 

Bienen: Zahlen und Fakten

Bärbeli holte den Blütenstaub vom Kürbis

In der Schweiz gibt es rund 160  000 Bienenvölker, die von etwa 16  000 Imkern und Imkerinnen gehalten werden. Ein durchschnittliches Bienenvolk besteht aus einer Königin, aus bis zu 1000 Drohnen und – je nach Jahreszeit – aus 30  000 bis 50  000 oder noch mehr Arbeiterinnen.

Eine Arbeiterbiene hat eine Flügelspannweite von 23 Millimetern, wiegt etwa 0,11 Gramm und lebt zwei bis neun Monate.

Um 1 Kilo Honig zu produzieren, müssen die Bienen etwa 3 Kilo Nektar eintragen. Dafür fliegen sie ungefähr 6 Millionen Blüten an. Eine einzige Biene kann an einem Arbeitstag bis zu 3000 Blüten besuchen. Wie Ruedi Ritter in seinem Vortrag in Bremgarten erwähnte, habe er einmal eine Biene entdeckt, die über und über mit einer dicken Blütenstaubschicht bedeckt war. Schliesslich habe sich herausgestellt, dass Bärbeli diesen Blütenstaub vom Kürbis geholt hatte.

Eine Biene legt übrigens auf ihren Blütenstaubsammelflügen insgesamt bis zu 800 Kilometer zurück. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt 26 bis 30 km/h bei 180 bis 250 Doppelflügelschlägen pro Sekunde. Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich über eine Fläche von etwa 25 Quadratkilometern. Der durchschnittliche Honigertrag liegt hierzulande bei 8 Kilo pro Bienenvolk und Jahr. Der jährliche Verbrauch beträgt etwa 1,3 Kilo Honig pro Kopf der Bevölkerung. Die einheimische Honigproduktion vermag lediglich etwa einen Drittel davon zu decken; es muss daher Honig in die Schweiz importiert werden.